Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Studie zu Mentalisierungsprozessen im Jugendalter im Colgate Research Magazine vorgestellt

02.03.2026|13:21 Uhr

Unsere gemeinsame Publikation im Journal of Psychopathology and Clinical Science wurde kürzlich im Forschungs­magazin der Colgate University (NY, USA) vorgestellt:
https://news.colgate.edu/researchmagazine/2026/02/study-sheds-light-on-adolescent-personality-traits-and-social-interactions.html/

Die Studie untersucht Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter aus einer dimensionalen Perspektive mit einem klaren Fokus auf alltägliche Mentalisierungsprozesse. Mentalisierung bezeichnet die Fähigkeit, eigenes und fremdes Verhalten als Ausdruck innerer Zustände – etwa Gedanken, Gefühle, Motive oder Wünsche – zu verstehen und zu interpretieren. Sie ist eine wichtige Grundlage dafür, ein stabiles Bild von sich selbst zu entwickeln und gesunde, verlässliche Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Auf Grundlage einer zweiwöchigen Ambulatory Assessment-Erhebung berichteten rund 300 Jugendliche mithilfe einer Smartphone-App insgesamt 13.190 soziale Interaktionen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche mit stärker ausgeprägten maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen ihre Interaktionen im Durchschnitt als weniger warm und stärker dominant erleben – sowohl hinsichtlich ihres eigenen Verhaltens als auch in der Wahrnehmung ihrer Interaktionspartner*innen. Besonders auffällig war, dass ihr Verhalten und Erleben stark schwankte: In manchen Situationen zeigten sie viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere, in anderen deutlich weniger. Diese Unbeständigkeit könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, warum Beziehungen für sie schwieriger verlaufen. Wenn Reaktionen und Wahrnehmungen stark wechseln, fällt es anderen schwer vorherzusagen, wie jemand reagieren wird – und Vertrauen sowie Stabilität in Beziehungen können darunter leiden.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig frühe Interventionen im Jugendalter sind, die Jugendliche dabei unterstützen, ihre Gefühle besser zu steuern, ein stabiles Selbstbild aufzubauen und ihre Fähigkeit zu stärken, sich in andere hineinzuversetzen.

Originalpublikation:
Kaurin, A., Krakau, L., Wicher, C. L., Philippi, P., & Shiner, R. (2025). Adolescents’ pathological personality traits, mentalizing, and daily social interactions linking Criteria A and B from the DSM-5 alternative model for personality disorders. Journal of Psychopathology and Clinical Science. Advance online publication. https://doi.org/10.1037/abn0001074

zuletzt bearbeitet am: 12.10.2023